Review: Bad Fucking

Mein Schwager weiss, dass ich gerne ins Kino gehe. Am liebsten schaue ich mir Originale an. Sprich, Filme aus USA in English, Filme aus deutsch-sprachigen Gefilden natürlich auf Deutsch. Gut war daher die Idee mir zu Weihnachten Kino-Gutscheine für das nahegelegene Steyr zu schenken.

Als ich mir zu Silvester den zweiten Hobbit anschaute fiel mir der Andrang zu einer neuen österreichischen Komödie Bad Fucking auf. So gab ich dem heimischen Film mal wieder eine Chance und schaute mir an.

Es scheint fast so als wäre Regisseur und Drehbuchautor Harald Sicheritz der einzige Österreicher, der sich an die lustige Heimat herantraut. Wenn man in seiner Filmographie zurück blättert finden sich da tonnenweise Folgen von TV-Serien wie Tatort, Vier Frauen und ein Todesfall oder auch MA2412. Etwas länger her sind seine größeren Erfolge wie Poppitz (2002), Hinterholz 8 (1998) oder sein Debütfilm Muttertag (1993).

Bad Fucking spielt in einem fick-tiefen Ort in den österreichischen Alpen, angelehnt an das pubertäre Kichern das wir alle empfinden, wenn wir erfahren dass es tatsächliche einen Ort namens Fucking gibt, in dem vor der Einführung von diebstahlsicheren Ortstafen diese des öfteren abhanden gekommen waren.

Des Autors kreative Glanzleistung war es nun dem Wort Fucking (gesprochen Fuh-King) das Wort Bad (so wie Thermalbad) voranzustellen, weil bekanntlich jeder geschlechtsreife Mensch schon mal schlechten Sex hatte. Und wer diesen Witz nicht kapiert, dem wird der dann auch gleich zu Beginn des Films besonders intensiv eingerieben.

Im Prolog geht es darum, dass sich Touristen mit den Ortsschildern fotografieren lassen und diese dann Souvenirs im Ort kaufen, Souvenir-Ortstafeln (mit und ohne den roten “Ende der Ortschaft”-Streifen) und Gartenzwerge mit Ständer. Leider bereitet ein – computer-grafisch einwandfreier – Murenabgang dem Tourismus ein Ende und drei Jahre der Dürre. Wieso das so ist, wenn es dennoch offensichtlich andere Wege von der Aussenwelt in den Ort gibt, das wird nicht erklärt.

Verschiede Interessen diverser Einwohner des Ortes kollidieren. Einer will erst ein See-Hotel, dann ein Asylantenheim, ein anderer ein Felsmalerei-Museum. Wieder ein anderer hasst seinen Vater, welcher wiederum seinen Anlageberater hasst, der sein Geld und das der Gemeinde verzockt hat. Mischen wir noch diverse Erpressungsversuche und ein paar Leichen hinein und würzen das dann noch mit einem Fisch-narrischen Gendamerie-Leiter, der eine unerwartete Aal-Invasion herbei-betet. Auf Lateinisch.

Zugegeben, in paar Mal haben wir geschmunzelt oder gar gelacht. Leider kam der lustigste Moment im ganzen Film schon im Trailer vor: der verhärmte Sohn hat seinem Vater ein vergiftetes Gulasch gemacht und erzählt im genüsslich: “0,1 Gram Knollenblätterpilz pro Kilogramm Körpergewicht sind tödlich. Du wiegst etwa 90 Kilo, ich habe Dir 45 Gramm reingemischt” damit der Vater schön Leiden muss, es aber überlebt. Darauf der Vater – im Sterben liegend – “Jetzt muss ich sterben weil der Trottel nicht rechnen kann”.

Oder ein anderes Schmunzel-Beispiel: Weil es dort in der Pampa keinen Handy-Empfang gibt, müssen die armen Cheerleader auf Trainingslager auf den Berg-Gipfel hatschen, wo sie eine “Internet Platform” aus Holz und ausreichendes Handy-Signal zum telefonieren vorfinden.

Mir kommt vor Sicheritz hat einfach all das Abfallmaterial aus seiner früheren Tätigkeit für das Fernsehen neu aufgewärmt und mit ein paar realen Begebenheiten (der Ortsnamen und die Geschichten darum) versucht hat, relevant zu machen.

Ich erwähnte eingangs, dass ich sprach-affin bin. Deswegen reagierte ich auch etwas allergisch darauf, dass die amerikanische Cheerleader-Trainerin von einer Schauspielerin gespielt wird, die keinerlei  US-Akzent hat, aber zwischendurch fleissig in völlig unglaubwürdigem Englisch mit ihren Mädels kommuniziert. Einzig ihr später auftauchender dunkelhäutiger Freund hat das US-Englisch makellos drauf.

Eine osteuropäische Putzfrau hat das gleiche Problem. Das einzige glaubwürdige an Proschat Madani ist ihr ausländisch-klingender Name. Naturgemäß ist auch der Akzent der gebürtigen Wienerin komplett unglaubwürdig.

Die allseits bekannte Adele Neuhauser (übrigens in Griechenland geboren) hätte ja den entsprechenden Dialekt draufgehabt. Aber leider wurde sie fehlbesetzt als Innenministerin und noch dazu verliert sie in der Mitte des Films ihre Sprache durch Amputation ihrer Zunge. Das war den Zuschauern auch nicht wirklich recht.

Am wenigsten falsch machen konnte da noch die hübsche Newcomerin Martina Ebm, dieser Film ist nach 3 Fernsehproduktionen ihr Kino-Debüt. Sie hat ihre Sache wirklich gut gemacht, neben all den anderen Besetzungskatastrophen und Sprachproblemen. Sie strahlt aus dem Ensemble heraus wie der Jesus aus der Weihnachtskrippe. Ich hoffe für sie dass dies ihrer Karriere hilft und nicht etwa unter einer unmotivierten Mure begräbt.

Ein Machwerk wie dieses verdient die Fördermittel nicht, die unter anderem der ORF dahin reingesteckt hat. Ein Feuerwerk des schlechten Geschmacks, gepickt mit Plot-Löchern und die paar guten Schauspieler sind entweder falsch besetzt oder verhungern an der dürftigen Story. Dieser Film ist leider nicht nur schlecht, sondern er ist “fucking bad”.

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