Der grosse Strom-See

Ich kaufte meine Wiener Wohnung im Sommer 1997. Eben so lange, bald 19 Jahre, bin ich Strom- und Gas-Kunde der Wien Energie. Der Grund ist ein einfacher: Anfangs gab es nichts anderes.

Das hat sich aber am 1. Oktober 2001 geändert, als das zweite Liberalisierungspaket für den Strommarkt in Kraft trat. Wobei diese Änderung eine rechtlich-theoretische war.

Warum sollte man etwas daran ändern, wenn eh schon der Strom aus der Steckdose kommt?

Die genauen Details über den österreichischen Strommarkt kann man sehr gut aufbereitet auf der Webseite der Interessenvertretung der österreichischen E-Wirtschaft nachlesen. Dort findet man auch eine Erklärung wie es sein kann, dass die Steckdose gleich bleibt, aber der Strom einen anderen Lieferanten bekommt.

Strom und seine Herkunft

Alle Erzeuger von Strom leiten ihr Produkt in den gleichen “Stromsee”. Aus diesem Pool gelangt die Energie dann über Hochspannungsnetze in die Ballungszentren und wird dann über regionale Netzbetreiber zu den tatsächlichen Verbrauchern geleitet.

Zwei Gesichter

In Wien hatte ich es mit zwei Firmen zu tun, die aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte das gleiche Logo haben und auch einen so ähnlichen Namen, dass viele Leute glauben es wäre ein und die selbe Firma:

  1. Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG – der Stromlieferant
  2. Wiener Netze GmbH – der Besitzer der Stromleitungen, also der Netzdienstleiter

Diese beiden Unternehmen mögen zwar rechtlich getrennt sein, aber am findet dennoch die Gebühren für das Netz auf der Jahresabrechnung wieder. Das ist einerseits praktisch, weil man eine Rechnung hat, andererseits irreführend, weil sich diese Information das es sich um eine andere Firma handelt im Kleingedruckten versteckt.

Der langen Rede kurzer Sinn: was man für den Stromanschluss bezahlt kann man nicht ändern, was man für den Strom selbst berappt aber sehr wohl.

e-Tikettenschwindel

Die für die Regulierung des hiesigen Strom- und Gas-Marktes zuständige Behörde heisst e-Control. Wichtigstes Organ ist die Regulierungskommission, deren Aufgabenbereich Ausarbeitung und Kontrolle der Bedingungen für Netzzugang und Tarife, Maßnahmen zur Sicherung der Erdgasversorgung, Konfliktschlichtung und anderes ist.

Wenn man als Strom-Kunde jetzt mental schon soweit gekommen ist, die Deregulierung zu begreifen, landet man unweigerlich auf der e-Control Homepage wo es neben einer Vielzahl an Konsumenteninformationen auch sehr praktische Tools gibt.

Das tollste auf der Seite ist der Tarifkalkulator, wo man für seine Postleitzahl und einen gegebenen Jahresverbrauch die Tarife aller Anbieter vergleichen kann.

Tarifpreisrechner

Nach Eingabe der Werte bekommt man etwa 80 verschiedene Tarife aufgelistet, die Billigsten ganz oben. e-Control nahm als Ausgangsbasis automatisch bei mir Wien Energie und den “Optima” Tarif. Unglaubliche 229,36 Euro Ersparnis pro Jahr sollen da möglich sein…

Tarife mit Rabatten

Vorsicht Falle! Wenn man die Einstellung nicht ändert, dann werden einmalige Rabatte berücksichtigt und das verzerrt das Bild gewaltig. Man braucht nur auf den blauen Preis klicken und dann sieht man das wahre Bild.

Ich habe mal 4 Angebote genauer unter die Lupe genommen und nebeneinander gestellt. Die scheinbar günstigsten sind nur im ersten Jahr gut, weil man einmalig Rabatt bekommt. Aber wer will schon jährlich einen neuen Stromvertrag machen?

 

Vergleich

Zweites Problem ist der oft anzutreffende Grundpreis. Das ist eine versteckte Jahresgebühr die unabhängig vom tatsächlich verbrauchten Strom ist. Diese sehen wir auch beim Optima Float Cap, mit dem mich Wien Energie jüngst ködern wollte. Da sind die Rabatte zwar ehrlich und fortlaufend, aber “Peanuts”. Und auch hier finden wir die störende Grundgebühr.

Verhaftet! Aber das Schlimmste sind die Mindestlaufzeiten. Insbesondere Wien Energie zeichnet sich hier unrühmlich aus, indem sie Kunden Verträge aufs Aug’ drücken, die man ein Jahr lang nicht ändern kann. Wo ist denn bitte so was noch zeitgemäß?

Glücklicherweise konnte ich von meinem Tarifwechsel zurücktreten, weil ich dies binnen 2 Wochen tat.

Mehr ÖKO, bitte

Das Verhältnis der Stromzuflüsse in den grossen “Stromsee” wird von der e-Control seit 2007 erhoben. Aus dem Stromkennzeichnungsbericht 2015 entnahm ich diese Grafik.

Stromkennzeichnungen

Der Anteil der erneuerbaren Energieträger stieg erfreulicherweise von 60% 2007 auf 89% 2014 an. Unser Strom wird tatsächlich immer grüner.

Gleichzeitig sind die meisten Energieanbieter, die auch günstig sind (siehe oben) auch zu 100% Öko. Das sind die mit den grünen Balken in der Grafik.

So auch Care-Energy. Aus diesem Grund habe ich heute bei denen einen Vertrag gemacht die befreundete Buschenreiter KG hat diese jetzt im Vertrieb.

Fazit

Wir in Österreich können uns ja wirklich zu den Glücklichen zählen. In Deutschland zahlen die Leute ein Vielfaches mehr als wir für ihren Strom (Mobilfunk übrigens auch).

Der Ölpreis ist derzeit so günstig wie noch nie und damit auch der Strom- und Gas-Preis. Allerdings kann man von günstigeren Tarifen nur profitieren, wenn man aktiv wird und den Lieferanten wechselt.

Ich hoffe, dass ich hier zeigen konnte, dass es keine grosse Kunst ist ein paar hundert Euro an Stromkosten pro Jahr einzusparen. Man muss sich nur an den entsprechenden öffentlich-rechtlichen (und somit vertrauenswürdigen) Stellen informieren.

Wichtig ist, dass man die Spreu vom Weizen trennt: passé sind Lockangebote mit Einmal-Rabatten sowie Vertragsbindungen.

 

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