Wird 2017 das Jahr der Elektromobiliät?

Vor gut 10 Monaten habe ich mir angeschaut, wie es um den Anteil von Elektroautos am gesamten österreichischen KFZ-Bestand ausschaut. Nachdem nun seit ein paar Wochen die vorläufigen Zahlen der Statistik Austria am Tisch liegen, wollen wir uns diese mal anschauen und mit damals vergleichen.

Ich stütze mich bei meinen Ausführungen auf die Entwicklung des Bestands and PKW in Österreich und nicht auf die Neuanmeldungen. Ich halte den Bestand für aussagekräftiger, weil das sind die Autos die tatsächlich auf unseren Strassen herumfahren.

Mich interessiert insbesondere die Frage, ob und in welchem Ausmaß die Förderungen für Elektroautos eine Wirkung hatten. Die Kommunalkredit Public Consulting vergab für den Bund (also Österreich als Ganzes) Förderungen für die Anschaffung durch Firmen von anfangs 1000 Autos. Das Kontingent war im April bereits erschöpft gewesen.

Die zweite Frage, welchen Effekt die indirekte Subvention via Steuererleichterungen für Firmen gehabt hatte. Firmen hatten so zB. vollen Vorsteuer-Abzug. Die USt-Befreiung beim Kaufpreis und die Förderungen von Bund und Land machten bei meinem eigenen Auto je die Hälfte aus.

Ich habe deswegen die Entwicklung bei Elektro-PKW für 2016 zweigeteilt: bis Ende Mai und dann bis Jahresende. Wie auch damals vergleiche ich wieviel reine Elektroautos pro Tag dazu gekommen sind, versus andere alternative Antriebe. Hybride zähle ich auch zu diesen. Die Bundesförderung war im Herbst nochmal verlängert worden, allerdings ist mir nicht bekannt für viele Autos.

Als ich meine Tabelle mit den letzten Zahlen der Statistik Austria aktualisierte, hatte ich eigentlich erwartet, dass die sich über das ganze Jahr das gleiche Wachstum von Batterie-elektrischen wie bei “sonstigen” KFZ zu sehen.

Tatsächlich waren die “Sonstigen” aber viel stärker gewachsen, als erwartet.

In beiden Perioden lag der Zuwachs an Elektroautos bei etwa 11 Stück pro Tag, einer Verdoppelung des Zuwachs gegenüber dem Vorjahr und für sich ein schöner Erfolg. Aber auch bei die sonstigen alternativen Antriebsformen (inklusive Hybrid) tat sich was. War das in der erste Hälfte des Jahres noch fast gleichauf mit dem Vorjahr (ca. 10 pro Tag Zuwachs) kamen  in der zweiten Jahreshälfte unerwartet 14 neue “Sonstige” hinzu.

Um dieses Rätsel aufzuklären habe  ich den Stand 2014-2016 an den verschiedenen Antriebsarten verglichen:

Ich muss jedes Mal lachen, wenn ich dieses hartnäckige eine Flüssiggas-Auto in der Statistik sehe. Würde mich interessieren, wo man das herumstehen sieht.

Ähnliches können wir uns über die Zeile “Wasserstoff (Brennstoffzelle)” denken. Wenn man von gelegentlichen Presse-Meldungen absieht, die dieser Antriebsform wieder eine rosige Zukunft versprechen, kann man sie als praktisch tot betrachten.

Mit dem theoretisch verfügbaren Hyundai ix35 käme man mit einer Wasserstoff-Tankfüllung fast 600 km weit, aber diese Überlegungen sind rein akademisch, da komplett praxisuntauglich. Prädikat: nette Werbeaktion zur Imagepflege der Wasserstoff-Industrie und von BMW/Mercedes.

In obiger Tabelle sieht man deutlich, wo der größte Zuwachs passierte: bei Diesel und Benzin-Hybriden. Also solchen Autos, wo man teilweise elektrisch unterwegs ist, aber dann für größere Strecken Treibstoff verbrennt. Eine immer größere Menge dieser ist mittlerweile “Plug-In Hybrid”, man kann also die Batterie auch an Ladestation aufladen.

Dies ist ein Ärgernis für die Puristen und den Elektromobilisten, weil wir Besitzer von  Hybrid-Autos für zu “feig” halten, sich auf ein reines Elektro-Auto einzulassen. Und weil sie uns dann immer öfter einen der wenige Parkplätze mit Lademöglichkeit wegschnappen. Eben dies ist mir schon ein paar Mal in einem Einkaufszentrum passiert: zwei Plätzen sind verfügbar, einer besetzt von einem Tesla Model S, einer von einem Mercedes Hybrid der B-Klasse. Beides Autos, die von Haus aus weiter als 300 Kilometer kommen.

Des Rätsels Lösung

… ist: es sind 4000 reine Elektroautos zum KFZ-Bestand in Österreich hinzugekommen. Und auch etwas mehr als 4000 Hybride, die meisten in Kombination mit Benzin. Die Nachfrage nach letzteren hatte insbesondere in der zweiten Jahreshälfte stark zugenommen.

Zugegeben, praktisch alle leistbaren Elektroautos, die 2016 auch in Österreich zu haben waren, hatten eine Reichweite von um die 130 Kilometern. Elektrisch gesprochen, von Akku-Kapazitäten so um die 22-24 Kilowatt-Stunden: z.B. Nissan LEAF 24 kWh, Renault ZOE 22 kWh.

Wer mit 130 Kilometern ohne Reichweitenangst das Auslangen fand, der kaufte sich ein rein elektrisches Auto. Die andere Hälfte der umweltfreundlichen Kunden sah sich zum Hybriden gezwungen.

Die 40 kWh Version von Renault ZOE und der Hyundai Ioniq wurden – mit Reichweiten jenseits der realistischen 200 Kilometer – erst im Oktober 2016 (auf der “Paris Motor Show”) vorgestellt. Somit hatten Menschen mit Reichweitenproblematik erst mit Jahreswechsel eine wirkliche Wahl.

Subventions-Fazit

Mein Fazit für die direkte und indirekte Subventionierung ist, dass sich das Wachstum bei puren Elektroautos dadurch fast verdoppelt hat. Die Reichweiten der verfügbaren Elektroautos hatte sich de facto kaum vom Angebot des Vorjahres unterschieden. Die Steuervorteile konnten nur durch reine Elektroautos voll ausgeschöpft werden und waren somit für das plötzliche Wachstum bei den Hybriden kein Faktor.

Vielleicht ist aber eine elektrische Bewusstseinsbildung passiert: Menschen die sich erstmals – durch die mediale Präsenz der Subventionierung – für Elektroautos interessiert hatten, schwenkten vielleicht dann aufgrund von Reichweiten-Sorgen auf Hybridautos um.

Keinerlei merkbaren Effekt hatte der Förderung von Elektroauto-Ladestationen. Zumindest bei mir in der Gegend (östlichstes NÖ und nördliches Burgenland) schaut es nach wie vor traurig aus. In den seltensten Fällen findet man hier z.b. Einkaufszentren, die auch Ladestationen anbieten. Hier wäre der Gesetzgeber gefragt so etwas vorzuschreiben.

Ins Leere geht auch eine Initiative der EU, die – wenn sie Gesetz wird – vorschreiben möchte, dass ab 2019 jedes neu errichtete Haus eine Möglichkeit zum Aufladen von Elektroautos hat. Diese Aktion ist deswegen nicht zielführend, weil elektro-mobile Hausbesitzer sich problemlos eine Lademöglichkeit daheim schaffen können.

Vielmehr würden wir uns wünschen, dass sich jemand den Kopf darüber zerbricht, wie man alle Einkaufszentren und Betreiber von Parkhäusern und Parkplätzen dazu verpflichten kann einen gewissen Prozentsatz aller ihrer Parkplätze mit Lademöglichkeit auszustatten.

Noch mehr Momentum 2017

Wir sahen, dass sich im Vorjahr das Momentum der Verbreitung des elektrischen Antriebsstranges verdoppelt hat, getragen durch Subventionen die ausschließlich Firmen zu Gute kamen.

2017 werden auch Privatpersonen zu den Nutznießern des Aktionspaketes werden, welches die Regierung kurz vor Beginn des Jahres vorgestellt hatte. Nicht nur bekommt man als Privatperson bis zu 5000 Euro Zuschuss für den Ankauf eines Elektroautos, es soll auch regional unterschiedliche Vorteile geben, wenn man dann eines der neuen Kennzeichen – mit Gründer Schrift – auf seinem Auto draufhat.

Neben der weiteren Etablierung von 40 kWh – ehrlichen 200 km – in diesem Jahr, wird das obere Ende der Mittelklasse-Elektroautos mit 60 kWH – ehrlichen 300 km – definiert. Chevrolet Bolt (= Open Ampera-A) ist hier das der erste solche Auto, Tesla’s Modell 3 wird das Zweite.

Der langen Rede kurzer Sinn ist, dass wir Zeugen einer exponentiellen Entwicklung sind, die eigentlich erst seit 2010 zu bemerken ist. Ich halte ein jährliches Verdoppeln der Elektroautos in Österreich für die nächsten Jahre nicht nur für möglich sondern sehr wahrscheinlich.

Die Neuzulassungen müssten sich 5 mal verdoppeln um Diesel-Autos zu erreichen und nur 2 mal um gleichauf mit Benzinern zu sein. Dann haben wir zwar immer noch eine Differenz im Bestand von mehreren Millionen, aber wenigstens kommen dann mehr Elektroautos hinzu, als Fossile. Das könnten wir schon 2020 erreicht haben, arbeitet unsere Regierung bereits an der “Energiestrategie Österreich” “Energiestrategie Österreich” wie wir bis zu diesem Jahr 5% Elektroautos (also 250000) im Bestand haben könnten.

Tatsächlich könnte dieses Ziel erreicht werden, wenn sich der Zuwachs jedes Jahr 2017-2020 um den Faktor 2,5 steigern ließe. Groß sind die politischen Ambitionen, es wird aber schon einiger heftiger Lenkbewegungen bedürfen um die Entwicklung dermaßen zu beeinflussen.

Das Problem mangelnder Attraktivität von günstigen Elektroautos wird die Autowirtschaft in den nächsten Jahren sicherlich lösen, aber gleichzeitig werden Benzin und mehr noch Diesel wesentlich unattraktiver gemacht werden. Beispielsweise indem endlich die Steuern für Dieseltreibstoff erhöht werden.

Was ist für Dich das Kriterium umzusteigen? Ich freue mich über Dein Kommentar.

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